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02.03.2017
Von: Florian Stahl

Fastenzeit und Konsumverhalten

NIEBÜLL. Kann das 40-tägige Fasten, die Passionszeit, genutzt werden, um eine klimafreundlichere und nachhaltigere Ernährungs- und Lebensweise auszuprobieren? Ja, sagen Jugendliche aus Nordfriesland und die Mitarbeiterinnen des Evangelischen Kinder- und Jugendbüros.


Anna-Kathrein Gräning und Birke Labs überlegen, zu welchen Produkten es nachhaltiger produzierte Alternativen gibt. Bild: Florian Stahl

„Klimafasten“ nennen sie ihre Aktion, in der sie etwa auf Fleisch oder Produkte mit Palmöl verzichten. Fasten sei kein verordneter Verzicht sondern eine individuelle Frage. Zur Teilnahme eingeladen sind alle, die Klimaschutz und sozial gerechten Handel berücksichtigen wollen. Und, so Anna Lena Ihme, es gibt viele Möglichkeiten und die Unterstützung der Gruppe.

Die sechs Jugendlichen, die bisher dabei sind, haben sich bereits in andere Projekten des Evangelischen Kinder- und Jugendbüros mit Nachhaltigkeit, sozialer Gerechtigkeit und Klimawandel beschäftigt. Etwa bei der Teilnahme an der Klimasail im vergangenen Jahr. Das Wissen und die Ideen, die sie dabei gesammelt haben, wollen sie nun passend zur Passionszeit ausprobieren. Generell alle wollen auf Palmöl verzichten, welches in Schokoriegeln ebenso wie in Tiefkühlprodukten enthalten ist. Palmöl lässt sich hervorragend verarbeiten und für viele Lebensmittel verwenden, dessen Anbau ist jedoch aktuell ein Hauptgrund für die Rodung der Regenwälder.

Hjördis Karlsson wird zudem traditionell auf Fleisch verzichten, während Birke Labs zusätzlich auch keinen Fisch essen wird. Anna Lena Ihme wird Produkte von einem international marktbestimmenden Lebensmittelkonzern meiden. Sie wird in der Passionszeit auch nicht bei großen Handelsketten einkaufen. Was zunächst einfach klingt, wird auch eine Herausforderung: „In der Mittagspause schnell in den Supermarkt auf der anderen Straßenseite zu laufen, ist dann nicht mehr drin“. 

Und Julia Eggers will ihr Konsumverhalten generell einschränken. Die nächsten Wochen wird sie sich keine T-Shirts im Ausverkauf holen und auch andere Angebote vermeiden. Ein billiger Preis kann auch ein Hinweis auf die Produktionsbedingungen sein. Hier will sich die Süderlügumerin nun selbst hinterfragen. Denn Fasten sei nichts, was man wie einen Markenartikel in der Öffentlichkeit präsentiert, Fasten ist eine Hinwendung zum inneren Glauben. Und damit eine persönliche, individuelle Frage. Ein bewußtes Abweichen von den ganz eigenen Gewohnheiten.

Auch Martin Luther stellte für die Passionszeit und das Fasten die Gesinnung in den Vordergrund. So schrieb er im „Sermon von den guten Werken“: „Ich will jetzt davon schweigen, dass manche so fasten, dass sie sich dennoch vollsaufen; dass manche so reichlich mit Fischen und anderen Speisen fasten, dass sie mit Fleisch, Eiern und Butter dem Fasten viel näher kämen … Wenn nun jemand fände, dass auf Fische hin sich mehr Mutwillen regte in seinem Fleisch als auf Eier und Fleisch hin, so soll er Fleisch und nicht Eier essen.“ Mit anderen Worten: das Verzichtverhalten ist eine individuelle Übung und keine Verordnung, die für alle gleiche Gültigkeit besitzt.

Ob sie es denn durchhalten werden? „Es soll für eine Herausforderung sein, aber schon machbar. Jeder darf mitmachen und voll dabei sein. Und jeder so, wie es für ihn passt.“ Die Jugendlichen haben noch viele andere Ideen gesammelt und freuen sich über noch weitere Interessierte. Denn, so Anna-Kathrein Gräning, „es gibt 100.000 Möglichkeiten.“

Der Auftakt fand am 1. März im EKJB Niebüll statt. Alle Teilnehmer werden ihre Erfahrungen in einem Blog veröffentlichen. So können sie sich auch ohne Treffen quer durch Nordfriesland austauschen – und außerdem dokumentieren sie ihre Erfahrungen beim Wechsel zu einer nachhaltigen Ernährungsweise. Auch hier steht die Teilnahme allen offen.