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09.03.2017
Von: Klaus-Uwe Nommensen

Fachtag „Vielfalt verstehen und gestalten“

HUSUM. Wie können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer Kindertagesstätte Kindern mit Fluchterfahrung begegnen? Mit dieser Fragestellung beschäftigte sich der 3. Fachtag der Evangelischen Kindertagesstätten im Kirchenkreis Nordfriesland. Knapp 400 Fachkräfte waren der Einladung unter dem Motto „Vielfalt verstehen und gestalten“ in das Nordsee-Congress-Centrum Husum gefolgt. Damit war die Zahl der Teilnehmenden gegenüber den ersten beiden Fachtagen noch einmal deutlich angestiegen.


Arbeitsgruppe

Jürgen Schlicher (links), Trainer für interkulturelle Kompetenz, suchte mit Workshopteilnehmern nach Möglichkeiten und Standards, damit sich alle Kinder und Eltern in Kindertagesstätten willkommen fühlen können. Bild: Klaus-Uwe Nommensen

Die Kindertagesstätten ständen vor der Herausforderung geflüchtete Kinder  und Familien unkompliziert aufzunehmen, stellte die pädagogische Fachberaterin des Kirchenkreises in ihrer Begrüßung fest. Mit zwei Impulsvorträgen und 15 Workshops sollte dieser Tag Handlungsanstöße geben sowie einen gegenseitigen Erfahrungsaustausch ermöglichen.

„Menschen, die in unser Land kommen, suchen Perspektiven“, erklärte Gothart Magaard,  Bischof des Sprengels Schleswig und Holstein, in seiner Andacht am Tagesbeginn. Für den Kindergartenalltag machte er geltend, den einzelnen Menschen anzunehmen und seine Möglichkeiten zu entdecken. Das seien erste Schritte, um Halt zu finden.

Propst Kay-Ulrich Bronk nannte in seinem Grußwort die in den Kindertagestätten entstandene Situation „einen komplexen Aufgabenbereich“. Es bereite Mühe, dass Kinder und Eltern bei uns ankommen können und unter uns eine Heimat finden. Der Propst forderte, dass Menschen die Möglichkeit haben, nach Deutschland fliehen zu können. Dem schloss sich Markus Potten an, der Geschäftsführer des Verbandes Evangelischer Kindertagesstätten in Schleswig-Holstein. Potten lobte die schleswig-holsteinische Landesregierung für den Beschluss, von Abschiebungen nach Afghanistan abzusehen.

Den „Rassisten in uns“ stellte auf eindrückliche Weise Jürgen Schlicher in seinem Impulsreferat vor. Schlicher trainiert Mitarbeitende großer Firmen im Umgang mit menschlicher Vielfalt und interkultureller Kompetenz. Es bedürfe nur einer Autorität, die Vorurteile vorgebe, und Menschen verhielten sich entsprechend, die einen in der Opferrolle, die annehmen, sich entsprechend der Vorurteile verhalten zu müssen, die anderen als Täter, die entsprechend behandeln.

Jürgen Schlicher berichtet von Schulstunden und Workshops der Lehrerin Jane Elliott die sich in den Sechzigerjahren auf dem Höhepunkt der Rassentrennung eine Methode ausgedacht hat, um damals Kids aus der weißen Mittelschicht für Toleranz zu trainieren. Schlicher selbst wendet diese Methode auch in seinen Workshops als Trainer an, indem er wie Elliott die Teilnehmenden in Blauäugige und Braunäugige einteilt, die einen hoffiert, die anderen diskriminiert und so den Blick für rassistisches Verhalten öffnet.

Um Integration zu ermöglichen, sei es notwendig, dass Menschen die jeweils anderen aus den verschiedensten Blickwinkeln betrachten, knüpfte Anne Kuhnert in ihrem Impulsreferat an Schlicher an. Kunert ist Bloggerin für Inklusion, Partizipation und Lebenswelten von Familien. Es gelte, jeden einzelnen Menschen als Subjekt zu entdecken und nicht als Mitglied einer Gruppe. So könne man seine Ressourcen  und Kompetenzen entdecken. Für Kindertagesstätten hieße das, dieses bei den Eltern der Fluchtfamilien anzuerkennen und sie darin zu unterstützen. So könne es gelingen, ihnen sichere Orte zu schaffen. Zudem sei es wichtig, die Geflüchteten nicht als Opfer anzusehen, sondern als Überlebende.

Die anschließenden Workshops versuchten, die Theorie in praktische Schritte umzusetzen bzw. bereits gelungene Ansätzen zu vermitteln, z.B. Bedürfnisse von Kinder und Eltern zu entdecken, Barrieren für andere Kulturen in der Kindertagesstätte abzubauen oder Mehrsprachigkeit zu nutzen. Informiert wurde über Herkunftsländer, Asylrecht und Kinderliteratur zum Thema.