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12.04.2017
Von: Sonja Wenzel

Zehn Jahre „schwarz-rote Flotte“ am Bahnhof

HUSUM. Es sitzt sich gut auf dem Sattel. Ein bisschen muss er in der Höhe verstellt werden; sonst hat man „die Knie an den Ohren“. Nur noch das knallgelbe Warnwestchen übergestreift – und dann schwingt sich eine Handvoll Mitarbeitender vom Diakonischen Werk Husum auf die schwarzroten Leihräder und tritt ordentlich in die Pedale: An der Marienkirche, später am Rathaus werden neue Mitradler aufgelesen, die alle ein gemeinsames Ziel haben: Die Radstation am Bahnhof, eine Einrichtung des Diakonischen Werks Husum. Sie feiert zehnjährigen Geburtstag und ist schon längst zu einer festen Einrichtung in der Stadt geworden.


Jubiläumsgäste mit Fahrrädern

Die „schwarz-rote Flotte“ begeistert die Jubiläumsgäste. Bild: Sonja Wenzel

Bereits seit Ende letzten Jahres habe man sich Gedanken um die Planung eines Festaktes gemacht, führte Wilfred Wiese aus. Der Zweiradmechanikermeister ist Anleiter in der Radstation und überwacht die Arbeiten in der Werkstatt. „Wir haben zwar nicht den Auftrag eine Radstation zu betreiben“, sagte der Volker Schümann, Geschäftsführer des Diakonischen Werks Husum. Doch sei sie Mittel zum Zweck, Menschen in besonderen Lebenslagen zu unterstützen, ihnen eine sinnvolle Tagesbeschäftigung zu bieten und sie wieder an den Arbeitsmarkt heranzuführen. 

Nicht immer einfach sei dieses Jahrzehnt gewesen: Eigene Mittel seien in den Betrieb der Einrichtung geflossen und immer wieder seien viele Gespräche mit anderen Institutionen geführt worden, so Schümann. Doch letztendlich sprechen die Zahlen für sich, die Adelheit Marcinczyk, Leiterin des Geschäftsbereichs II – Soziales und Arbeit, während der Feierstunde vorlegte: „Im Jahr 2016 kam die Radstation auf 3.600 Verleihtage. Rund 1.500 Reparaturen wurden durchgeführt. In den vergangenen zehn Jahren waren hier acht Personen angestellt, hatten 260 Menschen einen Zusatzjob, leisteten 72 Personen Sozialstunden, wurden 45 Praktika von Menschen in Eingliederungshilfen absolviert sowie acht Schulpraktika.“ Insgesamt verfügt die Radstation über 95 bewachte Stellplätze, 170 Leihräder, davon 70 bei der Jugendherberge an der Schobüller Straße, E-Bikes und so genannte „Familienräder“, wie Tandems. Service und Wartung, Reparatur, Information und Bewachung: das Spektrum der Radstation ist groß. 

Als „ein tolles Projekt und gelebte Kirche“ bezeichnete Staatssekretär Dr. Frank Nägele vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie in Kiel die Radstation. „Sie machen einen guten Job, damit wir gemeinsam unser Land voranbringen können“, sagte er. Hier werde die schwarz-rote Flotte der Radstation mit den Vorteilen des Schienennahverkehrs verknüpft: „Ein Vorbild für nachhaltigen Tourismus an der Küste.“ Und: „Sie tragen dazu bei, dass Bahnhöfe noch mehr zu Orten des Willkommens werden, wo sich Menschen mit dem Rad auf den Weg machen können - ökonomisch, ökologisch und sozial.“ Ähnlich äußerte sich Ralf Kruse vom Bahnhofsmanagement Schleswig-Holstein: „Sowohl das Fahrrad als auch die Bahn gehören zu den ältesten und umweltfreundlichsten Beförderungsmitteln“, sagte er. Bahnhöfe als Mobilitätsdrehscheibe bieten die multiple und wirtschaftlich intelligente Verbindung aller Verkehrsträger, und das Verleihsystem der Radstation sei in diesem Gefüge eine kluge Ergänzung. „Die Radstation Husum ist eine Vorzeigestation“, führte er aus. 

„Die Stadt hat mit dem Diakonischen Werk Husum den richtigen Partner gefunden“, erklärte Bürgervorsteher Peter Empen. Es sei ein „Partner mit vielen Gesichtern“, der dazu beitrage soziale Ungerechtigkeiten zu beseitigen, in der Radstation handwerklich begabten Menschen neue Perspektiven biete und sie stabilisiere. Die Chancen einer Radstation habe damals der kürzlich in den Ruhestand verabschiedete DW-Mitarbeiter Dieter Pelties erkannt. Es gelte jetzt, das Potenzial, das Husum dem Radtourismus zu bieten habe, voll auszunutzen. „Wir sind stolz, dass wir Sie mit Ihrer Mannschaft hier haben“, meinte er abschließend. Hattstedts Bürgermeister Ralf Heßmann, gleichzeitig Amtsvorsteher des Amtes Nordsee-Treene, betonte, das Diakonische Werk Husum sei ein wichtiger Partner im sozialen Netzwerk Nordfrieslands. Er wünschte „alles Gute“ und überreichte ein „Flachgeschenk“: Einen Umschlag mit einer finanziellen Zuwendung.