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18.06.2017
Von: Klaus-Uwe Nommensen

Überraschung auf der Synode des Kirchenkreises

BREKLUM. Propst Dr. Kay-Ulrich Bronk überraschte die Synodalen des Kirchenkreises auf ihrer Tagung am Samstag in Breklum mit einer persönlichen Mitteilung. Er werde vom 1. September an die Leitung der Ausbildungsstätte für künftige Pastorinnen und Pastoren übernehmen. Selbst für den Propst war diese Nachricht noch frisch. Am Vortag hatte die Erste Kirchenleitung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) ihn in das Amt des Direktors des Prediger- und Studienseminars der Nordkirche in Ratzeburg berufen.


Propst Dr. Kay-Ulrich Bronk

Propst Dr. Kay-Ulrich Bronk überraschte die Synodalen des Kirchenkreises auf ihrer Tagung am Samstag in Breklum mit der Mitteilung, er werde zum 1. September die Leitung des Prediger- und Studienseminars der Nordkirche in Ratzeburg übernehmen. Bild: Klaus-Uwe Nommensen

Er habe sich nicht gegen Nordfriesland entschieden, sondern für etwas anderes, betonte der Propst. „Ich war gerne und bin mit großer Freude Propst in diesem Kirchenkreis“, versicherte er den Synodalen. „Die Aussicht mit jungen Theologinnen und Theologen konzeptionell zu arbeiten, Erfahrungen weiterzugeben und neue Erfahrungen zu machen, motiviert mich.“ Der Abschied von Nordfriesland ihm schwer, aber er freue sich auf die neue Aufgabe, so Bronk weiter.

„Wir arbeiten sehr eng und vertrauensvoll zusammen“, kommentierte Propst Jürgen Jessen-Thiesen die Mitteilung seines Kollegen. Ein Ende dieser Zusammenarbeit bedauerte er, „aber ich freue mich mit ihm“. Ähnlich die Reaktionen vieler Synodaler. Auch das Präsidium der Synode betonte eine erfreuliche Zusammenarbeit. Bronk ist seit 2008 Propst im Kirchenkreis und seit 2009 Vorsitzender des Kirchenkreisrates.

In dieser Funktion eröffnete er den inhaltlichen Teil der reichhaltigen Tagesordnung. Zunächst konnte er eine lange Liste von Aktivitäten von Kirchengemeinden und Kirchenkreis im Jubiläumsjahr der Reformation vorstellen, für ihn ein „Zeichen für jede Menge Kreativität Und Fleiß“. Bronk wünschte sich, dass dadurch „die Wurzeln unserer evangelischen Kirche in unserem Kirchenkreis ein wenig bewusster würden und damit gleichzeitig die Bedeutung evangelischer Kirche im 21. Jahrhundert“.

Besonders hervor hob er aus dieser Liste den Kurzfilmwettbewerb des Evangelischen Kinder- und Jugendbüros, das Projekt „Glaube.Orte.Kunst.“, durch das in den Kirchen von Osterhever und Süderlügum mittelalterliche Kunstwerke wieder zurückkehrten, und das Kirchenschiff der Nordkirche, das am 22. Und 23. Juli im Husumer Außenhafen festmachen wird.

Weitere Punkte seines Berichtes waren die neue Ausstellung in der KZ Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund, die am 18. November eröffnet werden wird, strukturelle Veränderung in der Kirchenkreisverwaltung und die Wahl der neuen Kirchenkreissynode im September. Sie werde sich im Februar des kommenden Jahres konstituieren.

Gemeinsam mit Pastor Ralf Pehmöller stellte Propst Jürgen Jessen-Thiesen den Stand des Projektes „Eiderstedter Kirchen“ vor. Die Zusage des Bundes, mit 9,35 Millionen Euro die Sanierung der zum großen Teil über 900 Jahre alten Kirchen auf Eiderstedt zu fördern, war 2015 gegeben worden. Doch seien noch keine Baumaßnahmen zu sehen, weil für ein solch umfangreiches Projekt viele Details im Vorwege zu klären seien, berichtete Jessen-Thiesen. Es sei wie bei einem Eisberg und „wir befinden uns zurzeit noch im Bereich unter dem Wasser“. Fast 20 Gutachten hatten bislang erstellt werden müssen, doch dieser Teil der Vorarbeiten soll bis August abgeschlossen sein. Man rechne mit einem endgültigen Zuwendungsbescheid Anfang 2018 und hoffe, die Bautätigkeit dann im kommenden Frühjahr beginnen zu können.

Außerdem haben sich die Projektverantwortlichen als Ziel gesetzt, in den nächsten acht Jahren sieben Prozent der Kosten, also 1,3 Millionen Euro als Spenden zu sammeln. Schon jetzt sei zu erkennen, dass Menschen auf Eiderstedt ein Interesse hätten, dass ihre Kirche saniert wird. Der Propst bekundete seinen Respekt davor, dass teils große Summen bereits gespendet worden seien. Auf Spender höherer Summen warte ein kleiner Metallengel, das Symbol des Projektes, als Dankeschön. Für 2018 habe man einen Kalender anzubieten mit Fotos von Martin Stock anzubieten, dessen Erlös in das Projekt fließe.

Als nächstes beschlossen die Synodalen, den auf einer Delegationsreise nach Brasilien zwischen der Ev.-Luth. Sinodo Vale do Itaja der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien in Santa Catarina unterzeichneten Partnerschaftsvertrag und dem Kirchenkreis zu ratifizieren. Bereits seit 2002 gibt es Beziehungen dorthin. Der Ökumenereferent des Kirchenkreises berichtete ausführlich von der Delegationsreise im Mai.

Ein weiterer Beschluss der Synode galt der Erweiterung der Stelle für Öffentlichkeitsarbeit. Der jetzige Presse- und Öffentlichkeitsbeauftragte Pastor Klaus-Uwe Nommensen arbeitet mit einer halben Stelle. Er wird am 31. Juli in den Ruhestand gehen. Seiner Nachfolgerin, der Pastorin Inke Raabe, wird dann eine volle Stelle zur Verfügung stehen.

Schließlich folgten die Synodalen einem Antrag von Dieter Paulsen, mit dem die Stellungnahmen der ersten Kirchenleitung der Nordkirche für einen bundesweiten Abschiebestopp nach Afghanistan unterstützt werden. Eine Abschiebung in Sicherheit und Würde sei wegen der unsicheren Lage dort nicht gewährleistet. Die Kirchenkreissynode fordert „für unsere afghanischen Mitbürger und Mitbürgerinnen ein Bleiberecht, das ihnen in der Bundesrepublik Deutschland ein Leben in Frieden, Sicherheit, Ruhe und Würde gewährleistet“.