< Tauffest: „Es war toll, in solch einer großen Gemeinschaft“
26.07.2017
Von: Klaus-Uwe Nommensen

Nordkirchenschiff: Ein kleiner Kirchentag

HUSUM. Für ein abwechslungsreiches und vielfältiges Wochenende am Husumer Außenhafen sorgten sowohl Programm und Aktionen des Kirchenkreises Nordfriesland als auch das Wetter. An der Kaimauer hatte das Nordkirchenschiff festgemacht, der Dreimastsegler Artemis, der im Rahmen des Reformationsjubiläums alle Kirchenkreise der Nordkirche besuchte. Husum war nach dem Start in Stralsund die zehnte Station des Schiffes.


Zwei Tage besuchte das Nordkirchenschiff Husum. Bild: Inke Raabe

Pünktlich am frühen Nachmittag passierte die Artemis das Husumer Sperrwerk, um kurz darauf im Außenhafen festzumachen. Zuvor hatte ein Team der Nordkirche bereits eine große Bühne aufgebaut. Genauso pünktlich wie das Schiff kam allerdings auch der Regen. Doch der hielt viele Husumer und Gäste nicht davon ab, das Schiff zu begrüßen, unter ihnen Propst Jürgen Jessen-Thiesen. Er durfte als erster an Bord, um Mannschaft und Gäste auf dem Schiff willkommen zu heißen. Ein Posaunenchor des Kirchenkreises brachte musikalische Grüße.

Ankunft im Husumer Außenhafen. Bild: Hartmut Pohl

Titel, Thesen, Temperamente

Drei Stunden später war zum offiziellen Empfang eingeladen. Der bot eine Überraschung. Nicht nur, dass 200 Gospelsängerinnen und -sänger von ihrem Workshop aus der Marien zum Hafen gezogen waren, sondern Propst Jessen Thiesen schlüpfte in die Rolle des Husumer Reformators Hermann Tast, und auch die Gäste, die er dann auf der Bühne begrüßte, waren in historische Rollen von Nordfriesischen Persönlichkeiten geschlüpft. Hinter ihnen erinnerte ein großes Portal an den Wittenberger Thesenanschlag vor 500 Jahren. Tatsächlich hatten auch die Gäste auf der Bühne eigene Thesen mitgebracht.

Landrat Dieter Harrsen als Harro Harring. Bild: Klaus-Uwe Nommensen

So formulierte der Husumer Bürgermeister als Theodor Storm: „Um eine Fehler zu beheben, reicht es nicht, den Schuldigen zu bestrafen“. Sybille Karschin, Leiterin der Husumer Theodor-Storm-Schule, postulierte in der Rolle der Gründerin der Husumer Mädchenschule Sophie Jacobsen „Bildung für alle“. Bischöfin i.R. Maria Jepsen bezeichnete als Dichterin Anna Ovena Hoyer die biblischen Texte als „Fingerspitzen Gottes“, und Landrat Dieter Harrsen alias Revolutionär Harro Harring: „Seid euch nicht zu sicher“.

Interessierte ließen sich nicht vom Regen abschrecken, das Schiff zu empfangen. Bild: Klaus-Uwe Nommensen

„Martin L., der rockt die Welt“: Mit der Premiere ihres Luther-Rock erinnerte die St. Jürgen Blues Band am Abend an die Reformation als Anlass für das Fest am Hafen, zwei Stunden Blues und Rock’n Roll bei fast klarem Himmel, bevor Propst Jessen-Thiesen den Tag mit einem Abendsegen abschloss.

Gottesdienst: Rettung aus den Stürmen des Lebens

Den Sonntag eröffnete ein besonders gestalteter Gottesdienst. Die Geschichte vom sinkenden Petrus zog sich als roter Faden durch die Feier. Trotz eines dunklen Himmels und einzelner Regenschauer waren alle aufgestellten Bänke besetzt und noch einmal so viele Menschen folgten dem Gottesdienst im Stehen.

Schülerinnen der Hermann Test Schule im Gottesdienst. Bild: Inke Raabe

Der Bischof des Bistums Ribe, Elof Westergaard, ermutigte in seiner Predigt, die rettende Hand Gottes zu suchen. Auch Gothart Magaard, Bischof des Sprengels Schleswig und Holstein, knüpfte an die Szene der Geschichte an, in der Jesus dem sinkenden und ängstlichen Petrus seine Hand reicht, um ihn zu retten. Die Geschichte zeige, wie Gottes den Menschen die Hand reicht, und ermutige, in den Stürmen des Lebens auf Gott zu vertrauen.

Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst durch eine Projektband des Kirchenkreises unter der Leitung des Kirchenkreiskantors Christian Hoffmann. Schülerinnen der AG Darstellendes Spiel aus der Husumer Hermann Tast Schule veranschaulichten pantomimisch die einzelnen Szenen der biblischen Erzählung.

Ein buntes Bühnenprogramm

Plattdeutsche Rockmusik der Hamburger Tüdelband, die Singfreude vom Chor der Husumer Horizonte, der Niebüller Shanty-Chor und der Bigband Sound der Husumer Band Beatfactory boten am Nachmittag für ein buntes musikalisches Programm. Die Tönninger Pastorin Gisela Mester-Römmer machte als Kabarettistin kritische Anmerkungen zum Reformationsjubiläum. Noch einmal waren Schülerinnen und Schüler der AG Darstellendes Spiel aus der Husumer Hermann Tast Schule auf der Bühne und boten eine szenische Lesung zur Reformation. Ausgehend von Martin Luther fragten sie nach Konsequenzen seiner Entdeckungen für heute.

Talkrunde mit den Bischöfen Olof Westergaard und Gotthard Magaard. Bild: Inke Raabe

Die Umbaupausen auf der Bühne nutzen die Moderatoren Friedmann Magaard und Klaus-Uwe Nommensen zu kleinen Talkrunden mit Gästen. So waren sich in ihrem Gespräch die Bischöfe aus Ribe und Schleswig einig, dass Reformation heute auch bedeute, Menschen aus den Fesseln der Ökonomisierung zu lösen. Bischof Westergaard lud dann für den 12. Bis 15. Oktober ein nach Ribe ein, um dort das Reformationsjubiläum mit einem kleinen Kirchentag zu feiern.

Uwe Schmitz und Jürgen Jessen-Thiesen waren sich als Husumer Bürgermeister und Propst im Kirchenkreis darin einig, dass Entwicklung in Kommune und Kirche nur möglich sei, wenn über die Gemeinde- und Kirchturmgrenzen hinaus zusammengearbeitet werde. Jennifer Timroth erläuterte ihr Engagement für eine „Küste gegen Plastik“. Der Hauptanteil des Plastikmülls in den Meeren und so auch vor der Westküste käme vom Festland. Auch Recycling sei keine Alternative, um den Müll zu stoppen, sondern nur der Verzicht auf Plastik. Wie Harald Förster und Hans Ulrich Rösner sich vom Husumer Nationalparkhaus um das Wattenmeer kümmern, welche Erfolge ihre Arbeit bislang hat und welche Widerstände zu überwinden sind, war Inhalt einer weiteren Talkrunde.

Ein Tor eröffnete den Weg zum Außenhafen. Bild: Inke Raabe

„Ein kleiner Kirchentag“

Den ganzen Tag über war das Ufer des Husumer Außenhafens gut besucht. Schließlich wurden Besucher und Besucherinnen noch einem blauen Himmel belohnt. Sie waren nicht nur aufmerksame Zuhörer für das, was auf der Bühne geschah, sondern ließen sich ebenso zu Gesprächen, Informationen und Spiel an den Ständen einladen, die den Kai rechts und links säumten. Frauenarbeit, Diakonie, Kinder- und Jugendarbeit, Ökumene des Kirchenkreises, die Husumer Horizonte, Urlauberseelsorge aus St. Peter-Ording, Husumer Landungsbrücken, Pilgern auf Eiderstedt, das Christian Jensen Kolleg boten ein buntes Bild kirchlicher Aktivitäten zwischen Eider und Dänemark.

Die Landeskirche stellte ihren Arbeitsbereich Mission und Ökumene vor, der Husumer Weltladen lud zum „Kaffeepacours“, der Verein „Küste gegen Plastik“ informierte. Das Kirchenschiff selbst hatte eine nachgebaute Buchdruckpresse mitgebracht und bot an, wie zu Luthers Zeiten zu drucken. Kirchengemeinden versorgten mit Kaffee und Kuchen, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen hatten Getränke bereit, darunter ein „Schleswiger Reformationsbier“ und ein Apfelsaft, „Martins Landappel“.

Am Nachmittag blauer Himmel. Bild: Inke Raabe

„Ein tolles Fest“, resümierte Propst Jürgen Jessen-Thiesen, „viele fröhliche Gesichter, Begegnungen, Begeisterung, gute Musik, inhaltsreiche Beiträge, Spaß an der Sache und am Leben“. Und alles habe gut geklappt. Das gleiche war von vielen Besucherinnen und Besuchern zu hören. Sie hätten „einen kleinen Kirchentag“ erlebt, fassten sie ihre Eindrücke zusammen.

Schiff statt Wittenberg

„Danke, Husum, für diesen schönen Tag“, sagten auch die Initiatoren des Nordkirchenschiffs, Antje Dorn und Peter Schulze. Mit Husum seien sie fast schon am Ende ihrer Reise durch die Kirchenkreise. Jetzt folgten noch Büsum und Glückstadt, bevor die Fahrt in Hamburg ihr Ziel erreicht. Jeder Kirchenkreis habe die Tage mit dem Kirchenschiff anders gefeiert, und so nähmen sie und die Gäste an Bord viele verschiedene Eindrücke mit. „Im Norden gibt es nicht so viel Orte, keine Wartburg, kein Wittenberg. Darum haben wir uns ausgedacht, mit einem Schiff alle Kirchenkreise der Nordkirche zu besuchen und nachgucken, welches reformatorische Erbe wir dort finden“, erläutert Peter Schulze seine Idee.

Weitere Bilder:

Öffnet externen Link in neuem FensterSamstag (© Inke Raabe)

Öffnet externen Link in neuem FensterSamstag (© Klaus-Uwe Nommensen)

Öffnet externen Link in neuem FensterSonntag (© Inke Raabe)