Der Kirchenkreis Nordfriesland

Die Nordwestspitze der Nordkirche

Im Süden die Eider, im Norden die Grenze zu Dänemark, im Osten das weite Land, im Westen das Meer: Das ist der Kirchenkreis Nordfriesland.

Nordfriesland ist einer der elf Kirchenkreise im westlichen Teil der Nordkirche, also des ehemaligen Nordelbien (Hamburg und Schleswig-Holstein). Er ist 2009 hervorgegangen aus den drei Kirchenkreisen Südtondern, Husum-Bredstedt und Eiderstedt.

Kirche im Dorf
Kirche Schwabstedt Luftaufnahme
Schwabstedt im Süden des Kirchenkreises. Bild: Michael Goltz

Der Kirchenkreis ist ländlich geprägt. Viele kleine Dörfer und Siedlungen bestimmen das Bild. Die Folge: Viele kleine Gemeinden. Oft müssen sich die Gemeinden einen Pastoren oder eine Pastorin teilen. Gottesdienste werden abwechseln in den Kirchen gefeiert. Aber noch ist die Kirche im Dorf geblieben.

Eine Region reich an Kirchen

Seit etwa tausend Jahren leben Menschen in dieser Region ihren christlichen Glauben. So wurden vor über 900 Jahren die ersten Kirchen gebaut. Noch heute prägen viele romanische Kirchen die nordfriesische Landschaft.

Auf Eiderstedt findet sich ein einmaliges Ensemble von 18 Kirchen auf kleinem Raum. Sechs von ihnen feiern 2013 ihre Gründung vor 900 Jahren.

Für die heute etwa 100.000 evangelischen Christen zwischen Eider und Dänemark stehen in 67 Gemeinden 94 Kirchen bereit. Viele von ihnen sind in den Sommermonaten tagsüber geöffnet. Sie laden ein, um miteinander Gottesdienste zu feiern, Ruhe zu finden oder ihre Schätze zu entdecken.

Der Reformation schlossen sich die Nordfriesen seit 1522 an. Die Bewegung ausgelöst hatte der Husumer Priester Hermann Tast.

Reformation unterm Lindenbaum
Hermann Tast
Der nordfriesische Reformator Hermann Tast.

Die Kirche durfte er nicht mehr betreten. Der junge Priester Hermann Tast hatte 1522 eine lutherische Predigt in der Husumer Marienkirche gehalten. Drei Jahre zuvor war er Student in Wittenberg gewesen.

Eine Linde neben der Kirche bot von nun an den Platz, um dem lutherischen Prediger zu lauschen. Seine Botschaft von der Freiheit des Evangeliums fand rasch Gehör bei den Husumern.

Aber auch in Garding auf Eiderstedt, in den Dörfern der Umgebung von Husum traf der 24-Jährige auf offene Ohren, bis nach Flensburg und nach Dänemark hinein.

Innerhalb der nächsten fünf Jahre erreichte die reformatorische Botschaft ganz Nordfriesland. Die Muttersprache löste das Lateinisch in den Gottesdiensten und Gesängen ab.

Hermann Tast erarbeitete mit weiteren Theologen 1537 eine dänische Kirchenordnung, die er einige Jahre darauf auch ins Niederdeutsche übersetzte. Er wurde 1539 Propst des Amtes Nordstrand, ein Jahr später Kircheninspektor und Propst in Husum.

Der Reformator ordnete auch die Gelehrtenschule Husums neu. Seit 1527 ist sie evangelische Stadtschule, heute ein Gymnasium.